5. Gemeindebrief

Vorwort

Liebe Leserinnen und Leser,

zwei Freunde und Sonne „Du kannst zu dem heiligen Gott nicht einfach Freund sagen; das ist zu kumpelhaft.“ Zu diesem Ergebnis waren wir bei einer Bibelarbeit gekommen, als ich noch im
Jugendkreis meiner Heimatgemeinde war. Es ging um
das Bibelwort: „Der Herr aber redete mit Mose von Angesicht zu Angesicht, wie ein Mann mit seinem Freunde redet.“ (2. Mose 33,11). Es sei vermessen, wenn wir so tun, als seien wir Mose.

Wir Christen sind Jünger und Jüngerinnen, Nachfolger Jesu, Schafe in der Herde unseres guten Hirten; wir sind Reben an dem Weinstock, der Jesus heißt; wir sind Kinder unseres Vaters im Himmel – aber dürfen wir sagen: wir sind Gottes Freunde? Hat Gott diese exklusive Beziehung nicht wenigen herausragenden Menschen der Bibel vorbehalten, Mose zum Beispiel, dem großen Befreier des Volkes Israel? Während das Volk sich aus Todesangst hütete, Gott zu nahe zu kommen, redete Gott „mit Mose von Angesicht zu Angesicht, wie ein Mann mit seinem Freunde redet“.

Mit Gott auf Du und Du, mit ihm alles durchsprechen, was mich bewegt, was mich umtreibt, wo ich Rat brauche, „wie ein Mann mit seinem Freunde redet“. Das wünsche ich mir. Und ich werde neidisch auf Mose. Warum darf er – und ich nicht? Warum bekommt er die guten Ratschläge von Gott und ich nicht? Stochere vielmehr im Nebel der ungelösten Fragen und offenen Entscheidungen meines Lebens – und könnte doch diesen göttlichen Ratgeber und Freund so dringend gebrauchen.

Nun sagt Jesus zu seinen Jüngern, zu Ihnen und zu mir: „Ihr seid meine Freunde.“ Freunde Gottes: das sind also gar nicht ganz besondere, besonders heilige Personen. (Fehlerlos und besonders heilig war Mose übrigens auch nicht gewesen). Ich darf mit Gott auf Du und Du sein. Und Sie auch.
Vielleicht gerade dann, wenn wir nicht so exklusiv von uns und unseren Mitchristen denken: Wer ist der Größte? Wer darf am nächsten bei Jesus sein? Und wer nicht? Wer biedert sich Gott bloß kumpelhaft an, weil er eben mit Gott einen starken Kumpel braucht? Wenn all diese Vorbehalte und Neid gegenüber mir selbst, gegenüber meinen Mitchristen und Gott nicht mehr da sind, sondern die Liebe Jesu uns prägt, dann sind wir wirklich seine Freunde.

Jesus sagt:
„Das ist mein Gebot, dass ihr euch untereinander liebt, wie ich euch liebe. Niemand hat größere Liebe als die, dass er sein Leben lässt für seine Freunde. Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch gebiete. Ich sage hinfort nicht, dass ihr Knechte seid; denn ein Knecht weiß nicht, was sein Herr tut. Euch aber habe ich gesagt, dass ihr Freunde seid; denn alles, was ich von meinem Vater gehört habe, habe ich euch kundgetan.“ (Johannes 15,12-15)
Bei Jesus kann man Freunde finden: ihn selbst und auch viele in unserer Kirchengemeinde. Das Lesen dieses Gemeindebriefs kann eine Entdeckungsreise sein, wo Sie welche finden.

Ich grüße Sie herzlich Ihr

Frank Lutz