Predigt vom 6.4.2008

Predigt an Miserikordias Domini über Hebräer 13,20.21

Der Gott des Friedens …

Predigt zu Hebräer 13,20.21


Liebe Gemeinde!
Es vergeht kaum ein Tag, dass wir nicht von Menschen hören, hören, die ihr kostbares Blut vergießen, ihr Leben, alles, was sie haben, um ihrem Volk neue Zukunft zu geben, den Befreiungskampf zu gewinnen. Selbst wenn sie siegen sollten, sie werden es selbst nicht mehr erleben, die sich in einem Restaurant, in einer Fußgängerzone, in einem Bus in die Luft sprengen.
Die, die im Fernsehen Selbstmordattentäter genannt werden, sehen sich selbst ja nicht als Selbstmordattentäter. Sie sehen sich als Märtyrer, als Kämpfer für eine heilige Sache, für eine Sache, die es wirklich wert ist, ‚alles was ich habe, hinzugeben, mein Leben zu lassen und mein Blut zu vergießen’. Sie hoffen auf Allahs Lohn und auf den Sieg des irakischen Volkes, des afghanischen, des palästinensischen Volkes.
Aber nüchtern betrachtet: Was ist das Ergebnis? Bisher sehen wir nur, dass sich die Spirale der Gewalt immer schneller dreht. Ein Ende der Gewalt der verfeindeten Kräfte sehe ich nicht.
Wird dort in Israel und in den Palästinensergebieten, im Irak und in Afghanistan nicht viel, sehr viel Blut einfach sinnlos vergossen? Das ist viel Blut und Leben schlicht verloren! Wird das Leben eines Menschen von politischen Führern geradezu wertlos gemacht, inflationär hingeworfen auf die Straße und fast Tag für Tag in die Luft gesprengt? Wird da nicht Leben wertlos gemacht?
Die Bibel berichtet auch von einem, der sein Blut vergossen hat. Die Bibel sagt: Das Blut, das Jesus vergossen hat, ist nicht einfach verloren. Das, was auf dem Hinrichtungsplatz Golgatha geschah, geschah nicht sinnlos. Das Blut, das Jesus vergossen hat, ließ die Spirale der Gewalt nicht sich immer schneller drehen.
Jesus riss nicht andere unschuldige Menschen mit sich in den Tod. Jesus riss schuldige Menschen mit sich ins Leben. Angefangen bei dem Verbrecher neben Jesus an dem anderen Kreuz. Der sagte: Jesus, gedenke an mich, (a) wenn du in dein Reich kommst! (43)Und Jesus sprach zu ihm: Wahrlich, ich sage dir: Heute wirst du mit mir (a) im Paradies sein. (Markus 15,42f)
An Jesu Kreuz wurde Schuld gesühnt – und eben nicht zu immer neuer Rache und Schuld und Blutvergießen angestachelt. Seine Jünger sind nach dem Karfreitag nicht in den bewaffneten Widerstand gegangen, um ihren Herrn zu rächen.
An Jesu Kreuz wurde Schuld gesühnt, ein für alle Mal – und eben nicht zu immer neuer Rache und Schuld und Blutvergießen angestachelt.
Der Gott der Bibel ist der Gott des Friedens. So nennt ihn der Bibeltext, der uns für heute gegeben ist. Wie könnte Israelis und Palästinensern geholfen werden, wenn sie diesem Gott vertrauen würden. Wie kann uns in unserer Gemeinde und in unseren Familien geholfen werden, wenn wir diesem Gott des Friedens vertrauen!
Das wollen wir als erstes heute festhalten: Der Gott der Bibel ist der Gott des Friedens.

Das Blut des Bundes

Warum nun ist Jesu Blut nicht sinnlos vergossenes Blut?
Mit dem Blut, das Jesus vergoss, wurde ein Bund geschlossen.
Wenn wir Menschen einen Bund, einen Vertrag schließen, dann kostet uns das zunächst nicht viel: eine Unterschrift. Ein Ehepaar kostet das Schließen des Ehebundes eine Unterschrift vor dem Standesbeamten. Wenn ein Ehepartner dem anderen nach Jahren untreu wird und die Ehe geschieden wird, dann kostet ihn die Unterschrift, die er vor dem Standesbeamten einmal gegeben hatte, eventuell sehr viel Geld, vielleicht sein ganzes Haus – und viel Schmerzen, die er sich selbst antut, dem Ehepartner, seinen Kindern.
Jesus hat einen Bund mit uns Menschen geschlossen, der ihn mehr gekostet hat als eine bloße Unterschrift oder auch Geld. Es hat Jesus sein Blut gekostet. Und wie oft ist dieser Bund schon gebrochen worden! Wie oft sind wir ihm schon untreu geworden! Und wie hat Jesus an unserer Stelle das alles bezahlt, alle unsere Untreue – mit seinem Leben, mit seinem Blut! Unsere Schuld ist gesühnt. Ein für alle Mal.
Der Gott des Friedens hat unsere Schuld gesühnt! Dieser Gott ist unendlich treuer zu seinem Bund gestanden als wir Menschen. Der Gott des Friedesn hält seinen Bund mit uns. Jesus hat sein Blut nicht sinnlos vergossen.

Der Gott des Friedens hat den großen Hirten von den Toten heraufgeführt

Im Ringen um das Gute haben viele schon ihr Leben gelassen. Dietrich Bonhoeffer, denke ich, wollte aufrichtig unserem Volk aus der Gewalt der Nationalsozialisten und Adolf Hitlers helfen; Dietrich Bonhoeffer ließ darüber sein Leben.
„Ist Jesus nicht auch einer der vielen in der Menschheitsgeschichte, die ihr Leben für eine gute Sache ließen?“, fragen manche, „was hat Jesus wirklich neu gemacht? Hat sich wirklich was getan?“
Liebe Gemeinde, wir kommen von Ostern her. Das ist der Unterschied bei Jesus: Jesus lebt! Der Gott des Friedens hat unsern Herrn Jesus von den Toten heraufgeführt.
Jesus ist der Herr, Jesus ist der Hirte. Die Schafe, das sind Sie und ich, Dietrich Bonhoeffer gehört dazu und viele, die schon ihr Leben gelassen haben in ihrer Treue zu Jesus.
Aber dass der Hirte lebt, das ist die Hoffnung für die Schafe. Jeder, der sich mit Schafen auskennt, weiß, dass Schafe ohne den Hirten nicht überleben können. Ohne Hirten verlaufen sich die Schafe von der Herde. Irgendwo draußen in der freien Natur. Sie finden nicht wie ein Pferd oder eine Kuh zurück in den heimatlichen Stall. An unbehandelten Infektionen würden sie zugrunde gehen. Aber dass der Hirte da ist, dass der Hirte lebt, das ist die Hoffnung für die Schafe. Der Gott des Friedens hat den großen Hirten der Schafe, unsern Herrn Jesus, von den Toten heraufgeführt.
Wir sind nicht verwaist. Unser Hirte lebt und kümmert sich um uns.
Jesus ist der Hirte. Jesus ist nicht zu vergleichen mit einem religiösen oder politischen Anführer, der junge Menschen ausnützt, sie fanatisch gegen dein Feind aufstachelt, als Terroristen ausbildet und sie als Flugzeuglenker oder an einer Bushaltestelle in Jerusalem in den Tod schickt. Jesus ist Hirte. Dieser Hirte weidet die Schafe, pflegt sie.
Die Bibel kennt auch das Gegenbild, das Bild von den schlechten Hirten, denen das Leben der Schafe nichts wert ist. Seine Leute in den Tod zu schicken für irgendwelche politischen Ziele – das ist nicht Jesu Art. Das sind höchstens verzweifelte Versuche, etwas durchzusetzen – und dabei ist höchst zweifelhaft, ob das, was man erreichen will, auch so kommt. Wir sehen da so viel sinnloses Sterben. Soll auf diesem Weg etwas heil werden? Ich kann es mir beim besten Willen nicht vorstellen.
Das sind nicht Jesu Methoden! Er ist der Lebendige. Jesus gehört die Zukunft. Jesus braucht keine schrecklichen Verzweiflungstaten, um seine Ziele durchzusetzen.
Der Gott des Friedens hat den großen Hirten der Schafe, unsern Herrn Jesus, von den Toten heraufgeführt.

Der mache euch tüchtig in allem Guten, zu tun seinen Willen, und schaffe in uns, was ihm gefällt, durch Jesus Christus

Wir haben einen Gott, der von den Toten auferweckt. Welche unbegrenzten Möglichkeiten hat dieser Gott!
Welche Kraft steckt darin für unser praktisches tägliches Leben! Dass es neu wird, anders wird, dass wir Gottes Wohltaten spüren. „Er mache euch tüchti in allem Guten!“
Das Faszinierende ist, dass Jesus tatsächlich unsere Veränderung anstrebt. Nicht wir heiligen uns, sondern er tut es. Er macht uns fahig in allem Guten!
Wie geschieht das? Wie erfahre ich diese Veränderung zum Guten?
Zunächst einmal so, dass er gegenwärtig ist in meinem Denken. Und ich frage ihn: Soll ich so entscheiden, oder anders? Rede ich – oder schweige ich? Ich dar ihn um Kraft bitten, dass ich wage, etwas zu tun und damit andere in die Wirkkraft von Gottes Frieden hineinzunehmen.
Eine Familie hat erlebt, wie Jesus Gutes gewirkt hat. Damit möchte ich kein Gesetz aufstellen, als müssten so alle handeln. Ich möchte vielmehr ermutigen, Jesus in uns wirken zu lassen.
Eine 84-jährige Dame brach sich den Oberschenkelhals. Während sie im Krankenhaus und in der Reha-Klinik war, setzte sich der Sohn mit seiner Familie zusammen. Was sollte aus der Oma werden? Sie zu Hause aufnehmen würde von allen ein hohes Opfer abverlangen. Dafür sprach die Tatsache, dass die Dame eine fröhliche, unkomplizierte Person war. So wagte es die Familie, ich ein neues Zuhause einzurichten. Die Oma dankte es mit Humor, Zurückhaltung, Bescheidenheit. Andere verstanden nicht, wie sich eine Familie ihrer Freiheit berauben ließ. Und doch lag Frieden auf diesem Haus. Zwölf Jahr lang lebte die betagte Frau noch im Rollstuhl, und bei aller Last spürten alle in der Familie den Segen. Als sie starb, war die Familie anwesend und sah, wie di eOma friedlich und konzentriert die Augen ein letztes Mal öffnete, als wolle sie dem Herrn entgegensehen, der sie holte. Frieden war in ihrem Gesicht zu lesen, als sie gestorben war. Frieden spürten auch die Angehörigen. Jesus hatte in einer ganzen Familie das Gute gewirkt.

Gott schafft das Gute in uns

Wir werden erfahren, wie sich durch ihn Leid in Freude verwandelt, wie aus Traurigkeit Gottes Lob erwächst. Auch wir werden nicht anders können, als Jesus zu danken, der es in unserem Leben gut macht. Er verdient es, schon heute unser Lob zu hören. Amen.